Peter Schüz

Peter Schüz (Systematische Theologie)

„Kunst kann nur im Spiel gelingen – sie muss für sich selbst angenehm sein“

Peter Schüz versucht in seiner Short-Lecture eine Brücke zurück in das 17.

und 18. Jahrhundert zu schlagen und begibt sich dabei auf die Suche nach den Ursprüngen des Spiel-Begriffs. Ausgehend von Immanuel Kants „Kritik der Urteilskraft“ wird in jener Zeit das Spiel erstmals nicht als Unterhaltung oder kindlicher Zeitvertreib, sondern als tiefe und fundamentale Weise der Erkenntnis verstanden. Dieser Spur folgt man am besten auf den Wegen jener Virtuosen, deren Kunst in ihrem Kern in besonderer Weise mit der Idee des Spiels verbunden ist. Die großen Dichter Goethe und Kleist lehren uns bis heute, dass es das Spiel ist, in dem sich die Grundfesten der Welt zu erkennen geben. Gerade im Spiel ist erahnbar, was die Welt im Innersten zusammenhält. So ist eine Pointe von Goethes „Farbenlehre“ gerade die, dass die Farben „Taten und Leiden des Lichts“ sind, die sich dem Menschen eben im Spiel zu erkennen geben. Nur so scheint nachvollziehbar zu sein, dass Goethe zahlreiche Grundeinsichten seiner Farbenlehre in Form von Spielkarten darstellt, mit denen das Geheimnis der Urphänomene im Spiel des Lichts geschaut werden soll. Kleists „Marionettentheater“ mutet demgegenüber wie ein Kammerstück zur Illustration einer Philosophie des Spiels an: Das Spiel der Marionettenfiguren ist hier ein Spiegel der Urkräfte des Universums – sie stehen für vollendete Absichtslosigkeit, Willenlosigkeit, für die Verschmelzung mit dem Kosmos. Im Spiel – und damit auch in der Kunst – ergibt sich demnach dem Menschen – wie ein kurzer und unerwarteter Blick durch ein Schlüsselloch – eine Ahnung von den letzten Gründen der Welt, deren Anblick jedoch nur und allein im Spiel zu ertragen ist und der immer und sofort wie Sand durch die Finger rinnt, wo man ihn abzubilden, zu konservieren und zu beschreiben versucht.

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