Petra Dais

Petra Dais (Pfarrerin, Religionslehrerin, Playing Artist)

Die Kraft des Spiels: gegenwärtig sein

Überlegungen zum Religionsunterricht als Spielraum

Spiel ist nur möglich, wenn ein Mensch ganz dabei ist. Intensive Spiel-erfahrungen lassen die Zeit vergessen, den Raum, das Drumherum. Äußerste Konzentration und Achtsamkeit stellen sich ein. Die Wahrnehmung erweitert sich, genaues hinhören, hinsehen, schmecken… und das ohne Zwang.

Dieses Merkmal von Spiel interessiert mich zurzeit am meisten. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich das Fehlen von Präsenz als großen Verlust in unserem Alltag, in unseren zwischenmenschlichen Begegnungen erlebe? Wann waren Sie das letzte Mal ganz im Hier und Jetzt? Wann habe ich mich das letzte Mal nicht dirigieren lassen von meinem Smartphone, das mich ständig herausholt aus dem Hier und Jetzt? Der Allmachtswahn, überall zur gleichen Zeit zu sein, schädigt uns.

Meine Erfahrungen aus dem Religionsunterricht mit Berufsschüler/innen zeigen mir:

  • Gelungene Momente im Unterricht haben mit Präsenzerfahrungen zu tun. Eine wichtige Aufgabe von uns Lehrer/innen ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem Präsenzerfahrungen überhaupt ermöglicht werden.
  • Die Erfahrung von verdichteten Momenten (Präsenz) im Religionsunterricht hat damit zu tun, dass dieser zum Spielraum geworden ist, in dem die Beteiligten ihrer „heißen Spur“ (das was sie wirklich, wirklich interessiert) folgen können.
  • Der Religionsunterricht kann zum „offenen Kunstwerk“ werden, wenn Lehrende selbst spielen und von ihrem Spiel im Unterricht zeigen. Dadurch können Lehrende Mut bekommen für offene, riskante Religionsstundenverläufe: offene gemeinsame Suchprozesse mit der Klasse, bei denen die Aufmerksamkeit aufeinander gestärkt wird.

Mit der Kunstaktion „kooperatives Malen“ (Idee: Maria Grazia Saccitelli) wird experimentell die eigene Spur und gleichzeitig das aufeinander Achten praktiziert.

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